25.8.09

Kanzlerin zog 5000 Suhler in die City

Wie zu allerbesten Philharmonie-Open-Air-Zeiten:
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Zeigten sich siegessicher: Ministerpräsident Dieter Althaus, Bundestagskandidat Alexander Kästner, Kanzlerin Angela Merkel und Landtagsbewerber Wolfgang Wehner. Fotos (2): ari
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Der Platz der Deutschen Einheit samt Freitreppe war gestern Abend rappelvoll: An die 5000 Menschen kamen, so die Angabe des Veranstalters, die Kanzlerin zu sehen und zu hören. Und mit ihr kam Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Das prominente CDU-Wahlkampf-Duo machte kurz Station in Suhl.

Gegen 17 Uhr hatten die ersten Zuhörer Platz genommen, derweil sich die Fire Cats, eine Band aus Norddeutschland, einspielte. Am Stand der Suhler CDU gab es Wahlkampfsouvenirs. Die Sonnencreme mit der Aufschrift "damit Sie nicht rot werden" kam auch bei den Damen aus Münster gut an, die - wie sie dem CDU-Direktkandidaten Wolfgang Wehner wissen ließen - CDU wählen, "weil wir ja auch einen Bischof haben". Wolfgang Wehner, ganz Sportsmann, konterte "und eine zweitklassige Volleyballmannschaft".

Der Rost am Rande des Platzes brannte, die Bratwürste brutzelten, am Bierwagen wurden erste Geschäfte gemacht. "Tüdelüt - alles wird gut" war als Botschaft am Wagen zu lesen. Fire Cats swingte und jazzte, doch so richtig ließen sich die Suhler noch nicht mitreißen. Der 200 Personen Platz bietende abgesperrte Innenraum füllte sich langsam. Dort erhielt nur Einlass, wer eine Einladung der CDU vorweisen konnte und auf der vom BKA durchgecheckten Liste der Sicherheitskräfte stand. Wenn die Bundeskanzlerin kommt, herrscht schließlich Sicherheitsstufe I.

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Der Platz der Einheit war rappelvoll: Viele schossen noch schnell ein Foto vom Geschehen auf der Bühne.
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Während Kabel eins-Moderator Gerd Stecker durchs einstündige Vorprogramm jong-lierte, Small-Talk mit Wolfgang Wehner und dem Südthüringer CDU-Bundestagsbewerber Alexander Kästner aus Wasungen führte, während Filmsequenzen liefen über die Person Wehner und das teAm Deutschland, schwebte die Kanzlerin gegen 19 Uhr mit einem Hubschrauber der Luftwaffe auf dem Flugplatz Goldlauter-Heidersbach ein. Dort wurde sie, die geradewegs aus dem sächsischen Borna einflog, von ihrem Parteifreund und Landesvorsitzenden Dieter Althaus begrüßt. Am Flugplatzrand warteten ebenso Goldlauter-Heidersbacher Bürger, um einen Blick auf das nicht alltägliche Flug-Spektakel werfen zu können und auf die Kanzlerin, die in einer schwarzen Limousine davonfuhr.

Kurz vor 19.30 Uhr dann traf die CDU-Bundesvorsitzende am Platz der Deutschen Einheit ein. Dieser hatte sich in der Zwischenzeit beachtlich gefüllt. Einige Zuhörer kamen mit Sitz-unterlagen - die Steinstufen vor dem Haus Philharmonie verlangen fürwahr viel Sitzfleisch -, viele kamen mit der Kamera, um das Ereignis fürs Familienalbum festzuhalten. Schließlich erlebt man die Kanzlerin, die die USA-Zeitschrift Forbes wiederholt zur mächtigsten Frau der Welt gekürt hat, nicht alle Tage und schon gar nicht live im kleinen Suhl.

Small-Talk mit den beiden Politpromis aus Berlin und Erfurt über Persönliches, über Freud und Leid des Politikerberufes, über freie Tage, wenn man sie mal hat im Wahlkampfstress. Dann der offizielle Teil und zuvor Tina Turners Hit Simply the best, den "einzig möglichen Song, den man heute Abend spielen kann", verkündete der Moderator.

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Per Hubschrauber der Luftwaffe schwebte die Kanzlerin gestern Abend in Goldlauter ein. Foto: frankphoto.de
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Vor der Kanzlerin trat Dieter Althaus ans Rednerpult. Er sprach davon, dass er weiter aus der Mitte und für die Mitte Politik machen wolle, hob die mittelständische Wirtschaft als Rückgrat der Gesellschaft hervor, lobte den modernen Stand von Infrastruktur und Bildung sowie die innerer Sicherheit im Freistaat. Althaus rief die Zuhörer auf, wählen zu gehen, und von ihrem vor 20 Jahren erkämpften demokratischen Recht Gebrauch zu machen. "Ich möchte diesem Land weiter als Ministerpräsident dienen", schloss er seine Rede.

Mit einem Seitenhieb auf die SPD begann sodann Angela Merkel ihre knapp 40-minütige Rede. Sie warnte vor allem vor einer Zusammenarbeit zwischen Linke und SPD, die täglich ihre Rollen als "Koch und Kellner" neu verteilen und griff Lafontaine scharf an.

Wörtlich sagte sie: "Wäre Lafontaine 1990 Bundeskanzler gewesen, dann hätte es damals die Einheit nicht gegeben." Dafür gab's Beifall von den Rängen. Merkel resümierte die CDU-Politik, lobte Konjunkturpaket und Abwrackprämie als Wege aus der Krise, die die internationalen Finanzmärkte zu verantworten hätten. Sie versprach, künftig dafür zu sorgen, dass auch diese sich stärkeren Kontrollen und Regularien unterziehen müssen. Das Wichtigste sei, die Wirtschaft anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen. "Das wollen alle, aber die Frage ist doch, wem trauen Sie es zu, das Land aus der Krise zu führen?" Merkel führte die 5 Millionen Arbeitslosen an, die es bei ihrem Amtsantritt gegeben habe, deren Zahl Ende des Vorjahres auf unter 3 Millionen gesunken sei. Den Zwischenruf aus der Menge überhörte sie mit den Worten "wir haben uns nicht belogen". Während die Kanzlerin, deren Rede immer wieder von Beifall unterbrochen wurde, von der Notwendigkeit eines investitionsfreudigen Klimas für die Arbeitgeber und der Notwendigkeit eines Steuersystems sprach, bei dem der Arbeitnehmer auch wirklich was in der Tasche habe, sorgte ein Plakat für einen Polizeieinsatz. Dieses hielten zwei junge Leute mit der Aufschrift "Merkel und Obama - Sklaven der Hochfinanz" hoch. Drei Polizeibeamte zogen es auf rabiate Weise ein. Für kurze Zeit "spielte die Musik auf der Zuschauertreppe", dann wandten sich die Zuhörer wieder der Rednerin vorn auf der Bühne zu. "Wir haben die Kraft, das Land aus der Krise zu führen, es ist keine Zeit für Experimente", deklarierte die CDU-Kanzlerin abschließend. Die Nationalhymne erklang, noch schnell Aufstellung für ein paar Fotos und schon entschwand sie im Tross schwarzer Limousinen.

Fazit des Polizeieinsatzes: Bis auf "zwei Unterbringungsgewahrsame" zweier junger Männer, die laute Zwischenrufe getätigt haben sollen, sei alles ruhig verlaufen, so Fred Jäger, Sprecher der Polizeidirektion. (Quelle: www.freies-wort.de)

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